Karma: Wie Mercedes doch noch von ihrer Entwicklung profitieren kann

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Das Leben bewegt sich offenbar auch für Automobilkonzerne in Kreisen, alles kommt irgendwann zurück. Der Beweis: Die Sterngarage in Heerbrugg. Dort oben im Reifenlager, unter einer 150kWp PV-Anlage steht seit neuestem eine „Mercedes-Salzbatterie“ von Innovenergy für die Eigenverbrauchsoptimierung der Garage und als Notstromversorgung, falls das Netz einmal wegfällt.

Mercedes und Salzbatterie?

Die Geschichte geht so: Mercedes entwickelte um die Jahrtausendwende Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge. Im A-Klasse Mercedes war damals eine Salzbatterie verbaut. Zum Testen kamen diese Fahrzeuge dank der Vermittlung eines Schweizer Ingenieus, der bei Daimler angestellt war, regelmässig an den Grimselpass. Das war auch mein erster Kontakt zur Salzbatterie. Ich war (und bin) begeistert. Mobilität mit Strom aus erneuerbaren Energien ist nicht nur möglich, sondern auch beeindruckend „besser“ wie mit dem Verbrennungsmotor.

Die Weltreise der Salzbatterie

Die Salzbatterie wurde in Südafrika erfunden und in einem Joint-Venture zwischen Anglo-American (Geld) und AEG (Geist) in Deutschland zu einem Produkt fertig entwickelt. AEG hiess bei der Gründung 1883 noch „Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität„. Edison war der 4-Sterne General des Gleichstroms im „Stromkrieg“ zwischen ihm und Westinghouse, der den Wechselstrom vertrat. Batterien sind Gleichstrom, Gleichstrom ist in der DNA der AEG und so nahm sich die AEG – die als „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ längst ins Wechselstromlager übergelaufen war – dieser Salzbatterie an.

AEG, die vor langer Zeit auch Strassenbahnen und elektrische Lokomotiven herstellte und in einem Tochterunternmehmen sogar „Kraftfahrzeuge“, wurde ab 1985 Daimler. Daimler wollte sich wahrscheinlich einfach im Kraftfahrzeugbau breit machen und hat sich deswegen die AEG und ihre Tochter geschnappt. Daimler wurde dann aber vom Gleichstromvirus infisziert und hat um die Jahrtausendwende Salzbatterie-Fahrzeuge entwickelt. Damals waren GM (EV1 mit Nickel-Metallhydrid-Batterie), Daimler (A-Klasse mit Salzbatterie) und Ford (Think mit Salzbatterie) die weltweiten Vorreiter der Elektromobilität. Damals.

Nun wissen wir, dass Kaiser Erdöl, der Weltherrscher der Energiewirtschaft, die Automobilkonzerne mit sanfter Gewalt von den Irrungen und Wirrungen der erneuerbaren elektrischen Mobilität wieder befreite. So auch Daimler. Die Salzbatteriefabrik landete im Schweizerischen Stabio, wo sie heute noch ist. Sie erfreut sich bester Gesundheit und produziert um die 750’000 ZEBRA-Zellen pro Jahr (N.B.: Die Mercedes-Batterie hiess ZEBRA)

Lithium schlägt Salz

Erst der erdölresistente Elon Musk hat es schliesslich fertig gebracht, dass sich die Autoriesen dieser Welt ernsthaft mit der Elektromobilität befassen müssen. Die Ausreden der Marketingabteilungen (lahm, geht nicht, unzuverlässig, will keiner, etc) stimmen nicht mehr. Auch Daimler muss jetzt. Ironie der Geschichte: Jetzt kauft auch Daimler, wie sämtliche Automobilkonzerne dieser Welt, die Zellen aus Asien, oder lässt die Lithium-Batteriefabriken von asiatischen Konzernen im Heimatland aufbauen. Lithium-Batterien, muss man ohne Neid sagen, sind auch wesentlich besser geeignet für die Elektromobilität als Salz. Aber Salz ist besser in der stationären Speicherung.

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Während dessen schleicht sich die „Mercedes-Batterie“ heimlich als Stromspeicher zurück in die Welt der erneuerbaren Energien. Und in die Mercedes-Garage in Heerbrugg. Und in die Haushalte. Die einzige mobile Anwendung ist heute der „IndieWatt“ von Innovenergy. Die einstige Mercedes-Batterie ist in einem Smart-Anhänger von clevertrailer drin. Smart ist ein Daimler-Produkt.

Eben: Das Leben bewegt sich auch für Automobilkonzerne in Kreisen…