TechTalk

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Renato, Simone, Dan
Ingenieure bei der Arbeit: Renato Manzoni (FIAMM Stabio), Dan Youngs (FIAMM North America) und Simone Baragiola (BFH-TI Biel) versunken im TechTalk auf der Alp Rosenlaui.

Aus der Ferne betrachtet fällt Mal der Grössenunterschied auf: Der kleine gelbe Zwerg da rechts im Bild macht so viel Lärm wie ein Traktor, hat einen Wirkungsgrad von lediglich 15% (100% Diesel werden zu 15% in elektrischen Strom umgewandelt und 85% gehen in Form von Abwärme in die Rosenlauiluft) ist aber, zugegebenermassen, weitaus handlicher als der Leisemelk mit Schaltschrank.

Das muss aber nicht immer so bleiben, denn unser LeiseMelk 1.0 ist eine Welt-Uraufführung, und da beschäftigt sich der Inschenör Mal grundsätzlich nicht mit Fragen der Miniaturisierung. Wir sind ja schon froh, wenn das Ding so zuverlässig wie der Diesel seinen Strom abgibt und dank Housis Anhängerdesign ansprechend daherkommt. Oder: Es ist wie beim ersten Natel mit 10kg Bleibatterie und Technik-Koffer: Die Leute damals waren überwältigt, dass man einfach ohne Draht in der Welt herumreden konnte. Wir sind jetzt überwältigt von der Tatsache, dass wir irgendwo auf der Welt ohne Draht eine Kuh mechanisch melken können!

„Ob das die Welt bewegen wird?“, werden sie fragen, „denn eine Kuh kann man ja auch von Hand melken!“ „Richtig!“, sage ich, „sie brauchen ja auch nicht unbedingt ein Telefon, um mit einem Menschen zu reden, oder?“ „Ja aber“, werden sie einwenden, „wenn ich mit Fritz Franz in Rhodesien reden möchte eben schon!“. „Tja“, antworte ich, „wenn sie 80 handfeste Kühe auf der Alp ohne Stromleitung in Ruhe leisemelken möchten, eben auch!“

Zunächst interessiert das ja keine Sau (ausser die erste Followerin! Herzlich willkommen!). Aber wenn wir den LeiseMelk 2.0 und 3.0 hinkriegen, wird’s interessant! Unsere Vision:

  • LeiseMelk 2.0. hat alles „an Bord“, also keinen separaten Schaltschrank mehr. Er kann nicht nur melken, sondern auch ein elektrisches Alphorn bespielen. Elektrische Alphörner sind 1-phasig, während Melkmaschinen 3-phasig sind. Wenn es 3-phasige elektrische Alphörner gäbe könnten wir schon heute Musik machen mit dem LeiseMelk. Man stelle sich das Mal vor: Die Milchleistung würde (höchst wahrscheinlich) vervielfacht, wenn der LeiseMelk während des Melkens noch sanfte Alphornklänge von sich geben würde! Vervielfacht! Die Rosenlaui Alpmutschli würden die Welt überschwemmen und …
  • Der LeiseMelk 2.5 kann dann als Spitzenlastkraftwerk eingesetzt werden, was soviel bedeutet, wie dass er bei Stromknappheit einem vorhandenen kleinen Kraftwerk (PV oder Wasser) unter die Arme greift und den angeschlossenen Menschen eine Stromspitze verpasst, damit sie unbeschwert weiter arbeiten, fernsehen, kochen etc. können. Die Alp Wandel wäre da eine Kandidatin.
  • LeiseMelk 3.0 ist dann unser Flagschiff: Er nimmt PV-Strom auf, wenn zuviel produziert wird und gibt ihn zu Morgen- und Abendstunden wieder ab ins Netz. „Dezentrale Speicherung erneuerbarer Energie“ nennt sich das. Damit kann sich ein Haushalt mit Photovoltaik auf dem Dach dann fast selber versorgen, und braucht vom EVU nur noch eine Stromversicherung für den Fall, dass er trotzdem Energie braucht.

Damit wären wir wieder beim Handy angelangt. Man könnte so die „Energie Flatrate“ einführen. Wenn eine Eigenproduktion vorhanden ist, dann zahlt der Kunde nur noch für die Fixkosten, die Menge an Energie ist wurscht. Wie beim kommunizieren. Wieviel du plapperst ist egal, Hauptsache dein schickes Smartphone, die grauslichen Handyantennen, die brummenden Rechenzentren, die freundlichen Angestellten der Kommunikationsgesellschaft und die unflätige Werbung, mit der auf dich eingedroschen wird, all das ist bezahlt. Fixkosten eben. Ob das „four letter word“ lieb oder gehässig gemeint ist, spielt weder inhaltlich noch mengenmässig eine Rolle. Die Verborrhoe ist bezahlt.

Meine Verborroe ist nicht bezahlt, darum hör ich jetzt mit diesem Beitrag jetzt auf! (Der Nächste kommt bestimmt)